Laute Musik und fröhliche Kinderstimmen weisen mir den Weg zum Nebenraum der Fuchsgruppe. Hier bin ich verabredet mit Uschi Reinsch, Künstlerin und Kunstpädagogin vom Atelier Kunterbunt in Alt-Hürth. Eingetreten, erblicke ich fünf Kinder in Malerkitteln, mit Pinseln ausgestattet, um den Tisch in der Mitte gruppiert und eifrig beschäftigt. Mittendrin Uschi Reinsch, wie immer gutgelaunt, die Farbe auf die Farbpaletten verteilend und freundlich Anweisungen gebend. Bereits zum zweiten Mal ist sie mit einem großen Projekt in den Hürther Zwergengarten gekommen. 2005 hatte sie Bilder im Stile des Malers Hundertwasser und anderer bekannter Maler von den Kinderngestalten lassen. Auch dieses Mal ist das Projekt ambitioniert: Der „Karneval der Tiere“, ein musikalisches Werk von Camille Saint-Saens, soll künstlerisch gestaltet werden.
Heute, im Nebenraum der Fuchsgruppe, sind die Hühner an der Reihe.Sie werden als Skulpturen gestaltet, und zwar aus Draht und Styroporkugeln. Das Vorhaben verlangt handwerkliche ebenso wie künstlerische Fertigkeiten und wird deshalb von den Vorschulkindern durchgeführt. Die Skulpturen selbst haben Elin , Laurenz und die anderen bereits in der vorangegangenen Woche mit Hammer und Draht gebaut. Heute bekommen die Hühner den farblichen Anstrich, und so malen die Kinder Hühnerköpfe, Körper und Beine mitgelber, roter und blauer Farbe an. In einem nächsten Schritt wollen sie den Hühnern Federn ankleben.
In gleicher Technik sind bereits mit anderen Vorschulkindern des Hürther Zwergengartens die Halbesel und Esel aus dem Zyklus „Karneval der Tiere“ entstanden. Die Löwen und Schwäne haben die Kinder als Collagen dargestellt, und die Elefanten und Fossilien haben sie gemalt. Die Fische und Schildkröten sind in Bildern mit Drucktechnik zum Leben erweckt worden. Bei letzteren konnten auch die Kleinsten munter mitmachen und haben beachtliche Kunstwerke erstellt. Zwei- bis Sechsjährige in diesem Kunstprojekt zu vereinen und jedes Kind nach seinen Fähigkeiten selbstständig gestalten zu lassen, dass gelingt Uschi Reinsch hervorragend. Und so entsteht am Ende auch ein Gemeinschaftswerk: der Giraffenstuhl, der auf der Vernissage zum Abschluss des Projektes amerikanisch versteigert werden soll.
Spaß haben alle Kinder bei der Sache. Nicht nur beim Malen: im Nebenraum der Fuchsgruppe geht die Arbeit an den Hühnern weiter, begleitet von der Musik Camille Saint-Saens` aus dem CD-Player. Plötzlich erklingt die Musik der Elefanten, Klavier und Kontrabass, und der schwerfällige, trampelige Marsch der Dickhäuter animiert die Kinder, mitzumachen. Schnell legen sie die Pinsel hin und stampfen als Elefanten durch den Raum. Ganzheitlichwird der „Karneval der Tiere“ den Kindern näher gebracht. Zu Beginn des Projektes hatte Uschi Reinsch den Kindern des Zwergengartens einBilderbuch vorgestellt, in dem der Zyklus von Camille Saint-Saens in wunderschönen Bildern dargestellt ist. So konnte die Phantasie wachsen, und mit Musik und schöpferischem Tun erleben die Kinder den „Karneval der Tiere“ mit allen Sinnen. Einige von ihnen haben sich darüber hinaus gemeinsam mit ihren Eltern die Produktion des Werkes in der Kölner Kammeroper angeschaut. Und den Höhepunkt des „Karnevals der Tiere“ stellt die Vernissage am Ende des Projektes dar, wenn die Räume des Kindergartens sich in einen Dschungel verwandeln werden.
Uschi Reinsch wird wiederkommen in den Hürther Zwergengarten, ganz sicherlich, und darauf freuen sich nicht nur die Kinder.